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ICH und DU                                                                                       TOI et MOI dazwischen eine BRÜCKE                                                            un pont entre nous

HIER in Südfrankreich  sind die Fensterläden blau, die Häuser gelb und das Leben ist bunt.

DAS LEBEN     LA VIE

  en rose

Alles ist vorhanden in einer Knospe. Alle Information für die zukünftige Blüte ist da. Alle Entwicklungsmöglichkeiten sind in einer Zelle, in der kleinsten Einheit

Tout est là dans le bourgeon. Toutes les informations necessaires pour que le bourgeon prepare d'éclore. Chaque cellule sait tous qu'il faut.

Leben in  Variationen


Gestern, oder war es vorgestern? habe ich ihn gesehen. Echt wahr. Es handelte sich um einen Engel. Ich habe ihn nicht an den Flügeln erkannt. Er hatte keine. Er war hinter mir. Es muss ein Schutzengel gewesen sein. Bei Engeln bin ich misstrauisch. Man weiß nie, was einen erwartet. Der Würgeengel von Walter Benjamin ist mir in bleibender Erinnerung, wie er auf das Schlachtfeld der Geschichte blickt.

Meine Zukunft. Mein Gott, wollte ich sagen, aber das Wort geht mir nicht leicht über die Lippen. Engel sind da nicht wirklich einfacher. Gehören sie doch zur gleichen Sippe, aber immerhin kommen sie öfter zu Besuch. So eben auch kürzlich zu mir.

Ich kann den Tag nicht mehr genau rekonstruieren, weil ich Zeit verloren habe. Ich bin einerseits froh, dass ich sie los bin, aber manchmal fehlt sie mir dann doch. Wenn ich nämlich rekonstruieren könnte, wann er genau erschienen ist, könnte ich meine Erwartung auf einen ähnlichen Zeitpunkt richten. Ich würde ihn gerne wieder sehen, um ein paar Fragen zu stellen. Ob man Engel berühren kann?

Also, ich fange besser vorne an. Ich war nämlich gerade vollen Mundes und mit der Wortsuche beschäftigt, da kribbelte es mir in der Wirbelsäule während ich mich von den Kuchenresten befreite.

Ich brauche ab und zu eine Befreiung. Ich lasse mich sonst zu schnell von den Pflichten des Alltags fangen. Oder genauer gesagt, von der Routine. Diese ständig gleiche Wiederholung, die uns daran hindert, verrückt zu werden. Ich glaube, wenn ich jeden Tag neu erfinden müsste, wäre ich schon lange in der Psychiatrie gelandet. Ich halte mich also die meiste Zeit an die Routine.

Mein Kaffee am Morgen ist der Auftakt für den gewohnten Ablauf. Vorhang auf und das Spiel beginnt. Natürlich ist die Nacht noch nicht ganz vergessen. Die Träume hängen noch im Morgendunst. Den Schmuck lege ich noch nicht vor dem Kaffee an. Man weiß ja nie, wem mann so begegnet, wenn man alleine wohnt. Der Engel kam zum Glück zu einer christlicheren Stunde. Nach dem Kaffee kommt der erste Akt.

Ich weiß nicht, ob es sich dabei um ein Drama oder eine Komödie handelt. Die Tragödie ziehe ich lieber gar nicht in betracht, ich habe angst, dass es dann schlecht ausgehen könnte. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht noch einmal alles erzählen. Ich wollte nur die Stimmung vergegenwärtigen, damit die Geschichte mit dem Engel nicht so in der Luft hängt. Es war also alles wie immer.

Ein ganz normaler Tag. Ich hatte keine Vision. Ich war nicht betrunken oder unter Medikamenteneinfluss. Ich rauche nicht. Ich bin in dieser Hinsicht sehr tugendhaft. Enthaltsam. Langweilig. Die Zeit vergeht mir. Im Flug gehe ich zum zweiten Akt über.

Ich glaube das Ganze kam nur, weil ich die Wortsuche nicht ernst genommen habe. Was ist schon ein Wort, wo es so viele auf der Welt gibt. Ich kenne nicht einmal alle in meiner Sprache, oder wissen Sie, was ein Lude ist? Ach ja? Na gut, ich gebe zu, ich habe es schon erwähnt, ich bin tugendhaft und nicht in diesem Milieu zuhause. Außerdem würde ich mich auch nicht verkaufen, für keinen Mann oder Dollar oder noch so viele Euro. Wenn ein Lude seine Mädels an den Mann bringt, liege ich längst anständig mit einem Buch im Bett.

Anstand nehme ich dann, wenn überhaupt am Buchinhalt, den Einband halte ich sauber. Reinlichkeit ist mir ein hohes Anliegen. Allein schon schmutzige Gedanken sind mir zuwider. Geld fasse ich gerne mit Handschuhen an. Man kommt ja nicht daran vorbei. Ich also, keinen schmutzigen Gedanken fassend, mit den Kuchenüberresten beschäftigt, spüre dieses Frösteln in der Wirbelsäule und denke ganz unschuldig an den Wintereinbruch oder die ersten Regentropfen.

Die Natur verkörpert für mich die Unschuld. Das ist heute sehr schwer zu vermitteln mit allen radioaktiven Strahlen und dem Elektrosmog, den man nicht sieht. Da denken doch die Angehörigen der Krebskranken zuallererst an die böse Natur, die das Übel verursacht. Ich kämpfe also auch auf dieser Ebene für die Reinheit.

Das Leben ist ein ständiger Kampf. Da ich von Natur aus überwiegend friedlich und weiblich bin, ist das nicht einfach, es mit dem Leben auf sich zu nehmen. Leider ist das nicht mein kleinstes Problem.

Da ist dann noch die Sehnsucht nach dem Tod. Die habe ich seit der Psychoanalyse. Die hat mir auch noch die Kastrationsangst eingebracht, aber die hat nicht lange angehalten, weil ich stolz auf meine Weiblichkeit bin. Sie hatte es eilig. Offensichtlich wurde sie von einigen Therapeuten dringend erwartet und gebraucht. Da ich eh nicht viel mit ihr anfangen konnte, habe ich sie ziehen lassen.

Loslassen soll ja auch eine Tugend sein. Nur nicht, wenn es sich um Winde aus den Gedärmen handelt. Die Tugend ist nämlich selbst nicht rein. Deshalb halte ich mich mehr an die Natur. Meine vorzüglichsten Eigenschaften habe ich von ihr.

Ich liebe sie von Natur aus.

Sie und sie, und immer wieder sie und mich und sie. Ich kann es nicht verhindern. Selten, aber beharrlich, taucht sie auf. Sie ist da. Sie und die Liebe. Ein großes Wort, gestorben mit dem Subjekt und den großen Erzählungen.

Ich bin sehr froh, dass mir die Postmoderne diese Erlösung gebracht hat. Ich habe sehr gelitten unter dem Subjekt, der Liebe und der Moderne. Endlich habe ich mit ihnen alles de konstruiert. Kein Stein ist mehr auf dem anderen.

Nach dem Tod Gottes konnten auch alle anderen sterben. Beinahe wäre ich mitgegangen. Das war aber lange, bevor mir der Engel begegnet ist. Wenn ich nur wüsste, zu welcher Art Engel er gehört. Ich würde ihn zu gerne weiter als Schutzengel betrachten, aber ich habe langsam leise Zweifel

Schutzengel kommt doch nicht wie ein Einbrecher von hinten. Ein Schutzengel bleibt außerdem zur Begleitung und verschwindet nicht unversehens. Habe ich ihn vielleicht verschreckt?

Ich bin manchmal ziemlich direkt. Ich wollte ihn bei seinem Namen nennen. Das hat ihm nicht gefallen. Da war ja auch Gott schon eigen mit. Er wollte seinen Namen genauso wenig weitergeben wie Rumpelstilzchen im Wald. Mein Engel hat also keinen Namen, weder für mich noch für andere und als ich ihm einen schenken wollte, da ist er richtig in Rage gekommen. Dabei dachte ich immer, Engel hätten per se ein ausgeglichenes Temperament. Jetzt ist er weg. Seit mehr als zwei Tagen.

Wie lang die Zeit sein kann. Unendlich. Ewigkeiten. Sogar im Plural. Das ist die Wiederauferstehung aller großen Erzählungen. Vergessen die Fröhliche Wissenschaft, vergessen der Holocaust, vergessen die Dekonstruktion der Geschlechter, vergessen der Abgang von Yves St Laurent.

Die Welt ist wieder in Ordnung. Ich kann lieben! Von Natur aus. Sie. Das ist eine anstrengende Tätigkeit. Man sollte es nicht glauben. Hatte sie für ein Geschenk gehalten. So leicht lasse ich mich anlügen. Gutgläubigkeit ist eine weitere Tugend von mir. Ich werde sie mit meiner Natur überwinden müssen, wenn ich die Liebe nicht verlieren will. Sie wollte schon mit der Kastrationsangst weiterziehen, aber ich habe sie noch am Rockzipfel erwischt. Ich gebe nicht alles her. Auch wenn man die Liebe verschenken soll, muss man sie erst mal haben. Deshalb habe ich sie festgehalten, als sie gehen wollte. Ich finde es nebenbei bemerkt, auch nicht gerade die feine Art, einfach so verschwinden zu wollen. Ich finde Liebe und Kastrationsangst sollten getrennt sein. Das ist ein weiterer Grund, weshalb ich sie nicht habe ziehen lassen. Wo kämen wir bloß hin, wenn sich die beiden verschwägern würden?

Den Schutzengel hätte ich nicht ziehen lassen sollen. Ich konnte es nicht verhindern. Er war einfach weg. Ohne Vorankündigung. Jetzt versuche ich die Begegnung zu erinnern. Sie hat ihre Spuren hinterlassen.

So ein Ereignis kann man nicht einfach ausradieren. Da sind die Gefühle. Die lassen sich nicht leugnen wie die harten Tatsachen. Geschichte kann nicht zurückgedreht werden. Was geschehen ist, ist geschehen. Nichts daran zu rütteln. Ich schüttele mich und werfe die Erinnerung hinter mich.

Da! Hat da nicht ein Zipfel vom Engel um die Ecke gelugt? Ich renne zur Kreuzung. Biege scharf rechts ab, vor mir der Stadtpark mit Herrchen, die ihre Hunde ausführen und Kindern, die spielen.

Habe ich vielleicht diesen Hund gesehen oder den Rockzipfel jener Mutter erwischt. Eine Mutter könnte leicht einen Engel abgeben, wenn sie nicht so sehr mit der Kinderaufzucht beschäftigt wäre. Ich würde ihr gerne besondere Eigenschaften zu kommen lassen, was das ausgeglichene Temperament anbelangt, aber auch Schutz und Liebe. Sie würde einen guten Engel für mich abgeben, aber was ich hier im Park sehe, ist enttäuschend. Dabei bin ich schon mit einem offenen Blick gekommen. Ich wäre heute bereit, eine dieser Mütter für einen Engel zu halten, wenn es nur das geringste Anzeichen dafür gäbe.

Vergeblich. Die Hunde mit ihren Herrchen geben auch nicht vielmehr her. Auch wenn sie zunächst vielversprechend erscheinen. Hat nicht schon Kundalara in der „Unerträglichen Leichtigkeit des Seins“ die Liebe der Hundebesitzer konstatiert, so dass ich mich da in guter Gesellschaft fühlen könnte. Nur dass mir mein Engel überhaupt nichts Tierisches vermittelt hat. Er hatte auch nichts von einem liebevollen Hundebesitzer.

Er war flüchtig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich konnte ihn nicht greifen, nicht halten, nicht sprechen. Weg war er. Wenn ich ihn trotzdem hier erwähne, dann weil er einen Eindruck hinterlassen hat. Die Begegnung ist nicht spurlos an mir vorübergegangen. Ich sehe ihn jetzt manchmal.

Diese Begegnung mit meinem Engel hat die Farben neu gemischt. Jetzt sehe ich nicht nur gelb, rot oder blau. Ich mache gerne die Augen zu. Dann sehe ich das Kribbeln in der Wirbelsäule. Gefühle haben eine eigene Farbe.

Sie sind durchsichtig wie mein Engel. Jetzt ist es raus. Mein Engel ist eine romantische Einbildung, eine echte Illusion, eine verkörperte Wunschvorstellung. Kindliches Verlangen. Ich sollte ihn bei der nächsten Begegnung doch ansprechen.

Es ist immer gut, die Dinge anzusprechen. Ich werde ihm einen Namen geben und ihn nach dem Wort fragen. Vielleicht ist er überhaupt nur deshalb gekommen und ich habe es ihm nicht gegeben.

Das Wort. Manche nehmen sich ja das Wort nicht selbst. Sie halten es für den guten Ton, dass mann es ihnen gibt. Was dann allerdings dabei raus kommt, kann mann vorher nie wissen. Wie hätte ich ihm aber das Wort geben können, das ich selbst nicht habe.

Ein wirkliches Dilemma. Kein Wort. Kein Name. Kein Engel. Keine Begegnung. Keine Erlösung. Nur die vage Erinnerung. Ein erinnerter Engel. Ein zitiertes Wort.

Ein erfundener Name. Ich werde ihm einen neutralen Namen geben müssen. Wie wäre es mit Claude? Oder Dominique? Engel haben kein Geschlecht. Ein doppeldeutiger Name wäre also nicht von ohne. Es wird schwer sein, einen passenden Namen für meinen Engel zu finden.

Mein Engel ist mit einem einfachen Wort nicht zu fassen. Er passt nicht in fertige Konzepte. Er läuft an den Rändern über. Ich werde es trotzdem versuchen. Wie könnte ich ihn sonst rufen? Ich werde nicht passiv dasitzen, bis er wiederkommt. Außerdem werde ich nicht ständig das männliche Personalpronomen „er“ benutzen, nur weil Engel nach der deutschen Grammatik männlich sind.

Ich sollte mir ein Bild von ihm machen. Das wird genauso schwierig sein, wie einen Namen zu finden. Schließlich habe ich ihn nur im Nacken gespürt. Ich fange also der Einfachheit halber mit dem Namen an, dann kann ich ihn wenigstens rufen, wenn er nicht da ist.

Diese Taufe ist entscheidend. Worte erschaffen Realität. Die Deutung könnte dann später mit dem Bild kommen. Das wird eine echte Herausforderung, ein Bild ohne Farben. Durchsichtig. Nein, es wird kein leerer Rahmen und auch kein Loch im Bild. Durchsichtig heißt, dass der Platzhalter einen Blick eröffnet. Aber das mit dem Bild scheint mir keine so gute Idee. Ich könnte meinen Engel auf diese Weise wohl festhalten, ich hätte ihn für immer und ewig, aber wie könnte er weiterleben um mir beizustehen? Nein, es muss eine andere Lösung geben.


Fortsetzung folgt


Kaum ein Auge aufgetan, hängt der Himmel schon schwer über mir.


Un œil ouvert et déjà, le ciel me chagrine.

J’ai compris bien vite que ce jour suait gris !

Le café dans ma tasse me tourne le lait, j’y comprends rien !

Même le grill pain détruit mon matin !

Soit, je sortirai le ventre creux, au diable les habitudes !

 

 

Mir war sofort klar: Dieser Tag kündigt sich grau an.

Der Kaffee kippt mir die Milch um. Wie sollte es auch anders sein.

Selbst der Toaster verdirbt mir meinen Morgen.

Sollte ich ungefrühstückt aus dem Haus gehen. Zum Teufel mit den Gewohnheiten!

Los geht’s, die Treppe runter. Ich erwische die letzte Stufe gerade noch bevor sie sich mir entziehen wollte.


Allez zou ! J’attrape les escaliers qui se défendent et me font trébucher.

Au dehors, j’attendais la pluie et me voilà embarrassé d’un manche à baleines, tel un troisième bras qui picore le trottoir.

 

 

Vor der Tür ärgere ich mich mit dem Schirm rum, den ich mitgenommen habe, da ich mit Regen rechne. Der Stockschirm hat seinen eigenen Rhythmus. Er löchert das Trottoir wie ein drittes Bein.

Ich mache selbst einige Schritte, aber ich fühle mich beobachtet. Die übergriffigen Blicke der Passanten dringen bis in meine Manteltasche vor.

Ich versichere mich im nächst besten Schaufenster meiner Aufmachung: Stiefel, Hose, BH, Bluse. Nichts auffälliges. Trotzdem stimmt irgendetwas nicht. Das spüre ich an ihrem aufdringlichen Blick.

Also, alles noch mal von vorne. Nichts, was übersteht oder rausguckt. Alles an seinem Platz, sogar der Schal sitzt wie es sich gehört.

Ich gehe weiter, etwas verunsichert durch die Blicke die mich verfolgen.

Ich gehe etwas schneller, aber sie bleiben mir auf den Fersen.

Ich werde mich zusammen reißen. Ich versuche die Durchleuchtungsblicke zu vergessen.

Ich gebe mich gelassen. Es klappt. Ich denke nicht mir an sie. Ich gehe in meinem Tempo weiter.

Hoppla, ein Loch. Steinchen spuken mir ins Gesicht. Ein schwarzer Abgrund gähnt mir vom Asphalt entgegen. Der Stockschirm hat seine Spur im Trottoir hinterlassen.

WAS FÜR EIN TAG!!!

Ein kleiner Sprung zur Seite und ich bin in Deckung. Ich biege die angegriffene Schirmspitze wieder zurecht.




Je fais quelques pas, mais je me sens fouillé. Poches vidées par les regards dépassants.

Je stoppe illico devant une devanture et me détaille, alors, j’ai mis les bottes, la culotte, le pantalon et le blouson, pas de faute.

J’ai pourtant senti l’erreur dans leurs insistances.

Recto/verso, bon ben, je ne vois rien qui accroche ou se décroche. Même l’écharpe est à sa place.
Je reprends ma marche, un peu mal à l’aise tout de même, poursuivi par les petits pas claquants de ces yeux fouilleurs.

J’accélère, mais bon, ils restent sur mes talons.

Je vais m’accommoder, oublier la moite pesanteur de ces iris.

Alors, je fais le tranquille, l’indolent.
Ca y est, j’arrive à me détacher.
Je suis juste avec mon pas.
Oups ! Le manche à baleines vient de crever le trottoir, me voilà face à un vilain trou noir qui gronde et me crachouille des gravillons à la face. QUELLE JOURNEE !!

Un petit saut à droite, voilà le cracheur d’asphalte hors de portée.

Alles verdorben. Ich bedaure den verlorenen Glanz meiner frisch geputzten Schuhe und das alles für einen Kaffee.

Was zuviel ist, ist zuviel. Ich beeile mich dem ganzen Dilemma zu entkommen.

Wie ich die Hände in die Tasche stecke, merke ich, warum alle so komisch zu mir waren.

Ich bin allein ausgegangen. Ich habe meinen Körper unter der Dusche vergessen.

 

Je me permets quelques remontrances à la baleine qui a lâché son groupe en lardant le sol.
La voilà affolée et sanglotante, inondant le vernis de mes chaussures.

MARRE, je voulais juste inviter un petit café et me voilà les pieds tout clapotants.

Je presse le pas en laissant une marre derrière moi.

J’enfonce mes mains plus profond dans mes poches et là je comprends :

J’ai oublié mon corps en haut, il doit traînasser encore sous la douche en sifflotant.

Le creux que je sens en moi, c’est moi qui n’y suis pas !



 



Die Leere, die ich in mir spüre, ist da, weil ich woanders bin




 


Babeth übersetzt von Rose



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 




Eine leere Seite ist nie dieselbe leere Seite, wenn sie einmal beschrieben war und ausradiert wurde.

Une page vierge n'est plus jamais  vierge après être été effacé

Ich gehe zum Fenster, öffne beide Flügel und hänge mich mit meinem Körper in den Wind. Der Himmel zieht sich zusammen. Das Blau kündigt ein Gewitter an. Es ist zu schwül. Ich beuge mich vor. Noch ein Zentimeter. Ich spiele mit dem Gleichgewicht. Die Weite lädt mich zum Fliegen ein, nur, dass ich kein Vogel bin. Flügel sind mir noch nicht gewachsen. Dieses Phänomen, das dich mit angenehmen Düften umgibt und in ferne Länder entführt, kenne ich nur aus der Literatur.


Mir reicht es nicht aus dem Fenster zu fliegen.

Sortir par la fenêtre ne me convient pas complètement.
















Ich will in Stücke zerbrechen
und
mich in alle Himmelsrichtungen zerstreuen.

 

Vier sind zu wenig.

Was für eine Beschränkung !

Der Himmel will unendliche Explosion.

 Kunst will mehr.

 

Kunst kennt Ultramarinblau.

Ich will nicht sagen, dass ich nach meiner gelben und roten Periode eine Blaue gekannt hätte. Nein, mit dem Blau ist es eine andere Geschichte. Das ist keine Phase, kein Zustand, keine Saison. Blau ist ein Erlebnis, das sich ausdehnt. Ich zerreisse, wenn das so weiter geht. Eine Spannung bis zum Anschlag, bevor der Bogen sein Ziel erreicht.

Ein Ziel ist nicht schlecht.

Ich meine nicht das Paradies im Jenseits. Ich bin bescheiden. Ein Ziel ist für mich ein erreichbarer Ort. Jetzt. Heute Nachmittag, Abend. Demnächst. Näher als die ehemalige Trennung von Körper und Seele. Meine Güte, was für ein antiquiertes Wort. Man sollt es durchstreichen. Ich werde gleich vergessen, dass ich es geschrieben habe. Ich wollte die Buchstaben trotzdem auf dem Papier sehen. Das gibt ihnen Körper. Das Schreiben verbindet Tinte und Papier. Eine interessante Beziehung. Symbiose und Unabhängigkeit im Kontrast. Das Papier saugt die Flüssigkeit auf. Oh, was für eine Verbindung! Eine Einladung zum Voyeurismus.

Ich entferne mich vom Fenster.



Ich spüre eine Gefahr, die vom Fenster ausgeht.
Diese unbestimmte Öffnung, diese Leerstelle in der Wand, eine Lücke, ein Mangel! Ein Zugang oder eine Ausflucht? Sie lädt mich ein ! « Kommet zu mir, die ihr mühselig und beladen seid » Die Jungfrau zitiert ihren Sohn. Maria in Blau. Ein edles königliches Blau. Sie empfängt mich in ihrem Schoss, nicht wie ein Kind. Ich gehe zu ihr und lese in ihren Eingeweiden, die Zukunft. Ein Schicksal, vorbestimmt von der Natur. Das Fenster schlägt im Wind. Ich halte mich fest. Ich mache mich zu. Ich bleibe im Rahmen.

Durchsichtig für den Abendhimmel.


Ich spreche mein Morgengebet :
Heilige Schwester, Tante, Mutter Gottes.
Empfange meine Unschuld.
Vergib sie mir.
Komme in mein Reich.
 Amen.
 Ich mache den Katechismus zu. Ich lese das Gebet immer ab. Mir fällt nichts anderes ein.
 Ich will nicht auffallen. Meine Freundin ist gefallen. Nicht im Krieg. Rückwärts die Treppe hinunter.  Sie hat Glück gehabt.

 Ich habe kein Glück. Ich habe das Glück nicht verdient. Als ich zur Welt kam, standen die Sterne gerade am Himmel. Ich bin geboren. Ich habe kein Licht zur Welt gebracht.
Ich gehe zum offenen Fenster und trete hinaus.
 Das Paradies empfängt mich im Garten. Ich gehe zum Apfelbaum, um mir die Schlange vorzunehmen. Ich biete ihr meinen Apfel an. Sie beisst zu. Ich beisse zurück. Es fliesst kein Blut. Reines Fleisch. Ich bitte die Tante der Heilige Mutter Gottes mir beizustehen. Sie schläft. Einen Beischlaf kann ich im Moment nicht gebrauchen. Ich will Blut, Lebenssaft. Elexier. Blaues königliches Blut. Sie verbieten mir den Garten.
 Ich muss zurück in mein Zimmer.
Die Tapete wurde noch nicht gewechselt.
Die Bettwäsche ist schon seit einer Woche aufgezogen. Ich wechsle meine Wäsche täglich. Ich gehe zum Schrank. Das Hochzeitskleid ist nicht mahr da. Sie haben es weggenommen, verkauft. Es war von der Mutter. Ich habe es nie getragen. Ihre Hochzeit war ein Erlebnis. Alle Gäste sind gekommen. Die Blumen haben dekoriert. Ich habe mein erstes Solo gesungen.
Ich singe gern.
Eigentlich singe ich im Chor.
Der Chor war nicht eingeladen. In griechischen Tragödien sagt er die Wahrheit.
 Ich bin die Wahrheit, nicht das Leben. Das Leben ist mir abhanden gekommen und jetzt, wo mir der Garten verboten ist, weiss ich nicht mehr, wo ich es finden soll. Ich schaue noch einmal in den Schrank.
Es gibt kein Licht.
Der Schrank ist dunkel. Das ist sehr gemütlich. Da kann man so einiges verstecken. Ausserdem erzählen sich Geheimnisse leichter. Selbst wenn man keine hat. Dunkelheit provoziert. Da fallen mir Geschichten ein. Was ich noch keiner erzählt habe, das werde ich jetzt nicht zu Papier bringen. Den Schrank mache ich besser wieder zu.
Das Leben ist wohl anderweitig untergekommen.
Wenn ich nicht zu müde bin, suche ich heute noch weiter. Ich könnte es auch dem Zufall überlassen. Der soll so manche interessante Begegnungen auf dem Gewissen haben. Ich vertraue. Ein weiteres Mal in meinem Leben. Ich hoffe, dass es sich lohnt.
Das Leben zu suchen, ist schliesslich keine leichte Aufgabe.
Ich sollte es aufgeben. Das ist ein naiver Rest Humanismus. Der Glaube an die Menschheit ist an das Leben gebunden. Diese sklavenhafte Abhängigkeit vom Leben ist nicht gerade förderlich für freie menschliche Entfaltung.

Je ferme la fenêtre

Ich mache das Fenster zu.

Das Blau dringt ins Zimmer. Es verwickelt sich im Vorhang und in der Hängelampe. Ich mache das elektrische Licht an, will klar sehen. Suche die Ränder, die Konturen. Ich zeichne sie mit den Fingerkuppen nach. Das Bild an der Wand versteckt seine Oberfläche hinter Glas. Es kennt keine Wiedergeburt. Das Bild ist einmalig als Kopie. Ich habe sie eigenhändig angefertigt. Ich bin stolz auf das Werk. Es wird mich überdauern. Das gibt meinem Leben eine zeitliche Dimension. Es weist über mich hinaus. Ich bin nicht mehr alleine von ihm abhängig. Eine angenehme Illusion.

Da hängt mein Leben als Zeichen an der Wand.

Ma vie fait signe


Meine Gedanken bleiben im blauen Dunst hängen. Ich habe das Fenster seit damals nicht mehr geöffnet. Blau in der Hängelampe und im Vorhang. Blau, nachtblau. Zu tief. Das Blau. Andere nehmen es gar nicht wahr. Ich taste mich heran. Ich bin die einzige, die es fühlen kann. Dabei wird mir von allen Seiten meine Rationalität bestätigt. Nur hat noch keiner gemerkt: Bei mir ist sie voller Gefühl.

Ich denke mit der Haut.

Colette sagt, „wenn mein Körper denkt, schweigt der Rest und meine Haut wird zu meiner Seele“. Bei mir ist das anders. Ich würde gerne mal mit Colette darüber sprechen.

Leider

 lebe ich in einer anderen Zeit. Und siehe da, hier steht es schwarz auf weiss:

Ich lebe. Zu einer Zeit.
Je suis



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